Linda

- Herkunftsland Estland. Zulassung 1974, Reifezeit mittelfrüh, Knolle oval, Schalenfarbe gelb, Fleischfarbe hellgelb, Augentiefe mittel, Knollenschale glatt, Verwendungszweck Speisekartoffel, Kochtyp festkochend.

- Linda hat einen aromatischen, feinen Geschmack und unterdurchschnittliche Ertragsleistungen bei einem hohen Anteil kleiner Knollen. Allerdings weist sie dafür meist geringe innere und äußere Mängel auf.

- Resistent gegen Kartoffelkrebs

- Anfällig für Kartoffelschorf, Kartoffelvirus X, Kartoffelnematoden

Linda wurde von der Saatzucht Friedrich Böhm, Trauen, gezüchtet. 1974 erteilte das deutsche Bundessortenamt den Sortenschutz auf Antrag des Züchters bis 2004 und trug die Sorte in die Sortenliste ein. Diese Eintragung ist gemäß Saatgutverkehrsgesetz notwendig, damit Saatgut gewerblich gehandelt und somit die Sorte angebaut werden darf.

Ende 2004 zog Europlant mit Wirkung zum 1. Januar 2005 diese Zulassung für die gewerbliche Pflanzgutproduktion, die nach dem Ende des Sortenschutzes auch Landwirte hätten nutzen können, zurück. Daraufhin beantragte Karsten Ellenberg, Biohofbetreiber und Erhaltungszüchter anderer, darunter auch seltener Kartoffelsorten, am 10. Januar 2005 die Wiederzulassung. Dass das Verfahren einige Jahre dauern würde, war ihm bekannt, aber eine Zulassungsverlängerung während des Sortenschutzes kann nur der Schutzinhaber selbst beantragen. Gleichzeitig wurde in Schottland eine Sortenzulassung nach EU-Recht beantragt. Auch dieses Verfahren dauerte mehrere Jahre.

Das Bundessortenamt hatte ursprünglich eine Auslauffrist von sechs Monaten festgesetzt, also bis zum 30. Juni 2005. Es verlängerte sie bis zum 30. Juni 2007, der längstmöglichen Auslauffrist nach dem Saatgutverkehrsgesetz, nachdem Ellenberg dies beantragt hatte. Nach erfolglosem Widerspruch reichte Europlant am 7. Juli 2005 eine Schadenersatzklage gegen das Bundessortenamt beim Verwaltungsgericht Hannover ein. Sie argumentierte, dass sie wegen der kurzen Auslauffrist Vermehrungsmaterial, das von landwirtschaftlichen Vermehrungsbetrieben kostenintensiv produziert wurde und das sie nach der Verlängerung hätte verkaufen können, im sechs- bis siebenstelligen Eurobereich vernichtet habe. Europlant wies ihre bisherigen Pflanzgutproduzenten darauf hin, dass sie vertraglich verpflichtet seien, nur an Europlant zu liefern, und setzte am 28. Juli 2005 beim Schiedsgericht für Saatgutstreitigkeiten der Landwirtschaftskammer Hannover durch, dass drei ihrer bisherigen Vertragspartner das vertragswidrig angebaute Linda-Pflanzgut bis zur endgültigen Klärung nicht vermarkten dürfen. Die drei beriefen sich darauf, dass der Vertrag ausgelaufen sei.

Der Freundeskreis „Rettet die Linda“, dem die Verbraucherverbände Verbraucherzentrale Hamburg und Slowfood sowie die bäuerlichen Verbände Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Bioland und Demeter angehören, machte sich unter der Kampagne „Solidarität mit Linda“ für die Unterstützung der Linda stark.

Die im Auftrag der Sortenschutzinhaber tätige Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH wollte von vielen Landwirten Auskunft über die von ihnen nachgebauten Sorten haben, so auch über Linda. Dafür erhielt sie einen Big Brother Award 2005 in der Kategorie Wirtschaft.

Am 14. April 2007 wurde Linda von mehreren Landwirtschafts- und Umweltorganisationen (u. a. Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Bioland und SlowFood) als „Kartoffel des Jahres“ ausgezeichnet. Drei Wochen später verkündete Europlant, Linda nun auch 2007 produzieren zu wollen. Dazu die Lebensmittel-Zeitung (25. Mai 2007): „Der Saatguthersteller Europlant hat bezüglich der Kartoffelsorte Linda ein Einsehen und vermehrt den ‚Verbraucherliebling‘ überraschend auch in diesem Jahr auf einer kleinen Fläche.“

2008 importierte Karsten Ellenberg Linda aus Schottland und verkaufte sie.

Quelle: Wikipedia